Offene Zukunft und "Akzeptanz der Begrenzung"

Im Herbst 2018 bin ich, Rike Feronia, zu dem Projekt für die Erhaltung seltener Haustierrassen, insbesondere der Karpatenwasserbüffel, Huzulen Pferde und Berg Kühe, dazu gestoßen. Dabei durfte ich einen Ort kennenlernen, der es mir ermöglicht, mich zu erden, in direkten Kontakt mit meiner Umwelt und unseren Tieren zu treten und unmittelbar zu leben, zu erleben und zu lernen. Aufgrund von einem zweijährigen Deutschlandaufenthalt von Michel befanden wir uns in einer Phase der Orientierung und hatten somit die Chance, gemeinsam den Hof aufzubauen. Darüber hinaus ist für Michel mit dem Verkauf eines Großteils der Büffel- und Pferdeherde an das ukrainische Auswilderungsprojekt „Rewilding Ukraine“ ein lang gehegter Traum in Erfüllung gegangen; den Büffeln und Pferden das beste und artgerechteste Leben unter den bestehenden Umständen zu ermöglichen. Die damit einhergehende Reduzierung unserer Tiere eröffnete viele Möglichkeiten und zahlreiche Fragen kamen auf. Wo wollen wir leben, in den Bergen, im Tiefland, im Dorf, in der Walachei, in der Ukraine oder einem anderen Land? Wie wollen wir leben, als umherziehende Nomaden oder an einem festen Ort? In welcher Gemeinschaft wollen wir leben, im Dorf oder mit Gleich (- er) gesinnten? Mit welchen und wie vielen Tieren wollen wir leben, mit Büffeln, Pferden, Kühen, Ziegen, Hunden, und oder Hühnern? Worauf wollen wir uns spezialisieren, auf die Herstellung einzigartiger Käsesorten, die Erweiterung des Büffelbestandes durch Zucht und den Zukauf rumänischer Karpatenbüffel, Aufklärungsarbeit über die Umweltsituation in der Ukraine, die Mitarbeit an dem Auswilderungsprojekt oder die Vernetzung ähnlicher Herzensprojekte und die Förderung ihrer Zusammenarbeit und gegenseitigen Unterstützung? Und nicht zuletzt die Finanzierung einzelner Optionen durch die Tilgung der Heukosten, der Stallmiete, der Hirtenkosten, der Anwaltskosten oder der Unterbringungskosten der zurückbleibenden Tiere im Falle längerer Berufsreisen. Denn für uns stand fest: auch wenn wir eine neue Richtung einschlagen, wollen wir unsere Tiere nicht im Stich lassen und jederzeit zu ihnen zurückkehren können, um mit ihnen das Leben zu führen, dass wir trotz aller Herausforderungen, Ideen, Sehnsüchte, und des zuweilen aufkommenden Fernwehs so sehr lieben gelernt haben.

 

Nun haben wir uns für das Hofleben in Sokyrnytzja entschieden und leben mit sieben Karpatenwasserbüffeln, sieben Bergkühen, zwei Huzulen Pferden, sieben Hühnern und zwei Hunden zusammen am Rande der Berge und des fünftausend Einwohner Dorfes. Wir sind gut in die sozialen Dorfstrukturen integriert. Dadurch hat sie für uns die Möglichkeit eröffnet, eine große Allmende Fläche am Eichenwaldrand zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder zu beweiden und somit auch zu renaturieren. Zusätzlich dürfen wir teilweise die Pais (nach der Sowjetunion erhielten viele Familien ein Siebtel Hektar Land) nutzen, welche durch den Trend, in EU- Ländern zu arbeiten und somit die Tierhaltung und den Gemüsebau aufzugeben, brach liegen. Allerdings gehört uns kein Land, und wir haben auch keines gepachtet. Dies bereitet uns Sorgen. Im Nachbardorf sind die Gemeinschaftsflächen bereits an einen großen Agrarkonzern verpachtet worden. Und mit zunehmender Entfremdung der Eltern- und- Kind Generation von der Subsistenzwirtschaft und der damit verknüpften Kultur, die ihre Großeltern- Generation zu einem großen Teil immer noch lebt, wird diese Entwicklung immer absehbarer. Daher befinden wir uns gerade mit den Bürgermeistern zweier Dörfer im Gespräch, um eventuell Land offiziell zu pachten und somit eine biologische Landwirtschaft vor Ort auch langfristig zu ermöglichen. Besonders ins Auge gefallen ist uns eine fünfzig Hektar große Waldlichtung. In unserer Imagination sehen wir eine Gemeinschaft, in der Menschen inmitten der Tiere leben, Büffel frei weidend sowohl  ihren Kälbchen, als auch anderen hungrigen Mäulern ihre Milch schenken. Wo ein jeder, Tier und Mensch seinen eigenen Rückzugsort hat; Unterstände, einen Teil des Waldes und Tiny Häuser.

Gedankenkette und Gemeinschaftsidee

Mein Name ist Michel Jacobi. Seit 2008 lebe ich als Hirte in Transkarpatien, meiner Wahlheimat in Zentraleuropa. Ich kümmere mich um den Erhalt seltener Nutztierrassen und versuche, traditionelle Haltungssysteme in die Moderne zu überführen. Die alten Haltungssysteme aus der Subsistenzwirtschaft, der Allmende und die der Wanderschäfer sehe ich als Schlüssel für die Artenvielfalt unserer Ökosysteme. Deren Erhalt wirkt der Entfremdung entgegen, begeistert viele Touristen und Voluntäre durch ein harmonisches Miteinander von Tier, Mensch und Landschaft. Außerdem glaube ich, dass flexible semi- nomadische Haltungssysteme gut auf den Klimawandel reagieren können und auf kommende Wanderbewegungen vorbereiten. Die meißte Zeit verbringe ich daher mit dem Hüten unterschiedlichster Herbivoren in den traditionellen Weidegebieten der Ruthenen. Dabei nutze ich die Errungenschaften der Moderne für mein Selbststudium und um in Kommunikation mit anderen Netzwerken zu treten. Wichtige Bücher sind für mich von Erich Fromm, Goethe, Nietzsche und Noam Chomsky so wie von Rainer Mausfeld, aber auch Klassiker wie Homer, Platon und Schriften der Hermetik. Beim Stöbern entdeckte ich vor einigen Jahren ein kleines Manifest auf meinem E-Book- Reader, dessen Autor ich zunächst nicht beachtete. Es war nicht das Traktat vom Steppenwolf, das mich schon viele Jahre fasziniert hatte, sondern ein Manifest über die Zukunft der industriellen Gesellschaft, von Theodor Kaczynski. Kaum eine andere Schrift hat mich seitdem gleichermaßen beeinflusst. Von nun an begann ich, immer intensivere Nachforschungen zu den Themen Nachhaltigkeit und der Zukunft unserer Gesellschaft anzustellen. Ich habe mich mit den Autoren Derrick Jensen, Dirk C. Fleck und Eric Biel in Verbindung gesetzt und erforsche die Theorie Saharasien und deren Begründer Willhelm Reich, so wie die Permakultur, die Matrikultur und prähistorische Gesellschaften. Seit einigen Jahren engagiere ich mich aktiv für die Auswilderung unserer Karpatenbüffel und Tarpan Huzulen im Sinne von George Monbiot zusammen mit Umweltschützern aus Odessa. Dabei haben wir einen Eco-Park errichtet und 3 Tierrassen erstmalig in der Ukraine in die Freiheit entlassen. Nach 2014 habe ich meine politische Arbeit in der Westukraine weitgehend eingestellt und konzentriere mich vermehrt auf die Umsetzung meiner Vorstellung einer Idylle. Unter anderem großzügige Schweizer haben dabei geholfen, Projekte mit Spenden zu realisieren. So konnten Anfangsinvestitionen getätigt werden, aktuell lebt mein Hof von Kuhkäse und dem Verkauf von Tieren. Es scheint mir für die Entwicklung eines gesunden Menschenverstands vor allem drei Dinge zu brauchen: gute Luft, klares Wasser und Muße. Ohne letztere befindet sich der Mensch in einem Überlebensmodus, von Angst und Stress geprägt, welcher zu Verkrampfung und letztlich zu Alternativlosigkeit führt. Der Logos und Sinn für Schönes und Lebendiges verkümmert in solchen Fällen. In der antiken Sklavengesellschaft bei Sokrates und seinen Jüngern wurde von den "Söhnen reicher Eltern" Unsterbliches geschaffen. In der heutigen, industriellen Gesellschaft könnten die Maschinen unsere Sklaven sein, doch scheinen wir die Sklaven einer Megamaschine geworden zu sein, wie sie Fabian Scheidler beschreibt. Eine Möglichkeiten, zu ergründen, wo wir falsch abgebogen sind, ist, sich auf unsere Ursprünge zu besinnen, um dort aus den Fehlern der Geschichte zu lernen. Bei meiner Ausbildung auf einem alt humanistischen Gymnasium legte ich zwar nicht meine Legasthenie ab, wurde aber für Cäsar und Tacito offen. Erst viel später fand ich die Muße, Bello Galliko zu studieren. Die germanischen Stämme waren nordamerikanische Indianerkulturen ähnlich. Die Zerstörung der Kelten durch militärisch organisierte Einheiten reicher Finanziers hatte das Potential, Ressourcen zu erschließen und ein Imperium zu gründen, um weiter die Bevölkerungen und die Natur auszubeuten. Erich Fromm erklärt in seinem Werk "Anatomie der menschlichen Destruktivität", wie sehr die Gewaltbereitschaft mit zunehmenden Möglichkeiten steigt. Im Umkehrschluss sind besitzlose Menschen also die friedlichsten. Wir setzen diesem Trend heute ein Zeichen entgegen und gründen eine mobile Tinyhouse Farm Gemeinschaft mit Megaherbivoren und Permakulturideen.

Unsere Angebote an Dich

Hier im Dorf wohnt mein guter Freund Jura. Du kannst bei ihm wohnen und seine und meine Infrastruktur nutzen. Dafür baust du Dir vor Ort ein Tinyhouse, mit dem Du unserer Gemeinschaft beiwohnen kannst. Material und Mitarbeiter sind hier so günstig wie nirgendwo sonst in Europa. Wenn es Dir gefällt kannst Du bleiben und z.B. unser Waldweideprojekt oder Mozzarella-Projekt mit gestalten. Die Bedingungen zum Leben sind "transkarpatisch" und das mobile Tinyhouse ist am Ende Dein Eigentum. Wir freuen uns über mutige Aussteiger und Hirten.

Bist Du interessiert? Dann komm uns liebend gerne besuchen, gegen einen geringen Betrag für Kost und Logie oder Mitarbeit kannst Du uns und unseren Hof kennenlernen, die Gegend erkunden und deine Ideen gestalt annehmen lassen. Neben der Möglichkeit, mit uns gemeinschaftlich zusammen zu leben, kannst Du Dir auch mit unserer Hilfe (Sprache, Geheimtipps, Kontakte) ein eigenes Stück Land suchen. Wir freuen uns nämlich mindestens genauso, wenn das Netzwerk an Freunden und besonders denkenden und lebenden Menschen in unserer Umgebung wächst und sich mehr Menschen lokal für die Artenvielfalt und gegen Umweltzerstörung und -verschmutzung einsetzen!