Herbst in Saldobosch

Nun hat bereits der Herbst in den Karpaten Einzug gehalten. Nach einigen frostigen Nächten ist der Oktober wunderbar mild geworden, mit sonnigen Tagen und warmen Nächten. Die Büffel und Pferde genießen die Herbsttage draußen mit unseren Hirten auf den Theißwiesen und die Vorbereitungen für den Winter sind in vollem Gange. Heu und Maispflanzen werden eingelagert, Holz gehackt, selbst Strom wird es hoffentlich bald geben, damit die kurzen Wintertage im Haus etwas verlängert werden können.

Die Büffel sind wohl auf, und unsere Kühe geben fleißig Milch, die wir an Leute aus der Region verkaufen oder zu Käse machen. Die Nachfrage wächst und es bleibt tatsächlich wenig Milch für den Eigenbedarf übrig.

Unser Schäferhund Emily hat Gesellschaft bekommen, nachdem unsere Nachbarin Baba Kristina uns einen kleinen Welpen aus den Bergen mitgebracht hat, der jetzt bereits die Farm unsicher macht. Unser neuester Mitbewohner ist allerdings Valerie, ein Mangalitsaschwein. Nachdem er einige Tage frei auf unserem Gelände sein Unheil treiben durfte, ist er nun zu den anderen Tieren in den Stall gezogen.

Zu diesen gehört auch Pauliko unser bisheriger Zuchtbulle, der nach heftigen Kämpfen mit Tschuptschik nicht mehr auf die Weiden mit raus darf. Tschuptschik, der Sohn von Horna und Jura, durfte sich diesen Sommer in Viljateno mit den letzten zwei Büffeldamen vergnügen. Nur einmal ist er über die  nahe gelegene Grenze nach Rumänien gelaufen. Freundliche EU-Zöllner haben ihn jedoch aufgehalten und uns dank seiner Ohrmarke, kontaktiert.

Weniger glücklich ist die Lage in Kritschovo. Die letzten vier Büffeldamen dort hatten diesen Sommer keinen Bullen im Dorf. Keiner der Dorfbewohner wollte trotz unentgeltlicher Angebote einen unserer Zuchtbullen aufnehmen. Die Haltung ausgewachsener Karpatenbüffel-Bullen bedarf erheblicher Erfahrungen im Umgang mit Grosssäugern.

Erfreuliches aus diesem Herbst gibt es über die Reitwander-Touren zu berichten. Dabei hat sich die Kombination aus Wandern mit einem Pferd als Lasttier besonders etabliert. Touren auf den Hausberg Mentschul mit 1560m und zu den Poloninas und das Durchqueren von 9000ha Buchenurwald (Fagus silvatika) waren mit Sicherheit auch die bisherigen Höhepunkte im Leben unseres Zuchthengstes Kastan, der bereits drei Generationen gesunder Fohlen in Saldobosch gezeugt hat.

Diese Tiere sind der Beginn eines neuen Schlages, der, wie Kastan als Huzulenhengst, mit Merkmalen des ausgestorbenen europäischen Wildpferdes, genannt Bergtarpan, ausgestattet ist. Kastans Nachkommen haben wir Hutan genannt. Sie stimmen, zumindest in Bezug auf die farblichen Merkmale, mit den aus der Literatur bekannten Beschreibungen, seines durch menschliche Bejagung im 17. Jahrhundert ausgerotteten Verwandten überein.

Der sehr milde Oktober ermöglicht es zwei unserer Freunde von Saldobosch mit Kastan und der Stute Scheherazada in den umgebenden Streuobstwiesen zu leben.

Linda ist gerade dabei leckersten Panir aus den 15l Büffelmilch von heute früh zu machen, Aki wäscht unsere Kleidung vor dem Kamin und Michel zerbricht sich den Kopf darüber, wo er unseren 850kg schweren Zuchtbullen Pauliko im nächsten Jahr unterbringt, um Tschuptschik wenigstens eine Chance zu geben mit unseren Büffeldamen zusammen zu kommen.

Soweit von Uns, Eurem Team aus Saldobosch